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Maiandacht mit der "Madonna vom Hellweg"

"Grouß di, Maria, vull Gnade, e Här is met di. Du bis benedäit vo oll’l Frouslöien..."

 


Ungewohnte Töne waren in der Maiandacht am Montagabend (18.05.2009) in der Liebfrauenkirche zu hören: es wurde auf plattdeutsch gebetet und gesungen.


Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde spielte und Pfr. Michael Fentrup hielt eine Ansprache.


Grund für diese außergewöhnliche Gestaltung einer Maiandacht war eine Marienfigur mit einer außergewöhnlichen Geschichte.

Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts stand diese Figur im Heiligenhäuschen (errichtet vermutlich 1715) an der Schledebrückstraße / Ecke Hellweg. Dann wurde sie gestohlen. Als Familie Hellweg ihr Eigentum nach einigen Jahren zurückbekam, erkannten diese die Marienfigur zunächst kaum wieder: die Diebe hatten die blaue und rosa Farbe entfernt und zum Vorschein gekommen war Eichenholz.
Jetzt wurde die Marienfigur von Ursula Küster dem Stadtmuseum geschenkt. Nach erfolgter Renovierung durch Herrn Altewischer wird die Maria demnächst einen Platz im Stadtmuseum finden und so die Ausstellungstücke zum religiösen Leben in Gütersloh bereichern.

Der Kunsthistoriker Dr. Karsten Kelberg hat die Marienfigur untersucht und herausgefunden, dass diese vermutlich aus der Zeit des Hochbarocks stammt, also aus den Jahren 1650-80.
Gerade aufgrund des Alters der Figur und ihrer langen Geschichte in Kattenstroth war es dem Heimatverein Gütersloh ein wichtiges Anliegen, mit der Figur einen Gottesdienst zu feiern, bevor diese ihren endgültigen neuen Platz im Stadtmuseum bekommt. So entstand die Idee einer Maiandacht mit ökumenischen und plattdeutschen Elementen….
In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein wurde diese von der Gemeindereferentin Daniela Reineke vorbereitet.

Pfarrer Michael Frentrup veranschaulichte in seiner Ansprache, die über zweihundertjährige Geschichte der Madonna an der Wegkreuzung Hellweg / Schledebrückstraße. Wer mag alles an ihr vorbeigekommen sein? Wie viele Bitt- , Dank- und Stoßgebete mag sie gehört haben? Vermutlich in plattdeutsch….
Für die Maiandacht hatten Agnes Rickfelder, Willi Kramme  sowie Paul und Josefa Becker Gebete und Bibeltexte ins Plattdeutsche übersetzt und auch vorgetragen.
Ca. 100 Gläubige waren in die Liebfrauenkirche gekommen. Mit der feierlichen Musik von Orgel und Posaunenchor, den Gebeten in der für viele noch vertrauten plattdeutschen Sprache und der Abendsonne, die die Marienfigur in ein besonderes Licht tauchte, erlebten sie einen außergewöhnlichen und bewegenden Gottesdienst. Fast alle nutzen die Gelegenheit, nach dem Gottesdienst die „Madonna vom Hellweg“ noch einmal ganz aus der Nähe zu betrachten.