Besuch von der Fazenda "Gut Neuhof"
Am 23. und 24. Februar 2008 hatte der Pastoralverbund Süd außergewöhnlichen Besuch. Nachdem einige Firmbewerber im vergangenen Jahr die ‚Fazenda da Esperança‘ in Markee besucht hatten, kamen nun einige der Bewohner dieser Einrichtung unter Leitung von Herrn Pfarrer Christian Heim zu einem Gegenbesuch.
In den Samstagabend-Messen der Pfarreien Liebfrauen und Bruder-Konrad informierte Pastor Heim zunächst kurz über die Fazenda in Markee sowie über das Entstehen dieser Einrichtungen.
Die Idee dieser ‚Höfe der Hoffnung‘ ist fast 25 Jahre alt und stammt von Pater Hans Stapel, der ursprünglich das Sozialwerk »Nossa Senhora da Glória« gründete. Ihn besuchte sogar Papst Benedikt XVI. am 12. Mai 2007 auf der ‚Fazenda da Esperança‘ in Guaratinguetá, was den Wert dieser Idee deutlich macht.
Im Anschluss stellten sich 3 Bewohner vor und schilderten, wie sich mit Gottes Hilfe ihr Dasein aus Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, Chaos und Sucht in ein selbstbestimmtes, zielgerichtetes und durch Gemeinsamkeit geprägtes Leben entwickelt hat. Dabei spielt besonders gegenseitige Achtung, Akzeptanz, Toleranz und Nächstenliebe eine herausragende Rolle.
Bei dem Hof in Markee handelt es sich um einen ehemaligen Bauernhof in der Nähe von Nauen, etwa 1 Autostunde von Berlin entfernt. Dort finden maximal etwa 36 Männer von 14 bis 30 Jahren ein Unterkommen in drei Wohngruppen. Etwa 15 km entfernt in Riewend, zwischen Nauen und Brandenburg, besteht eine zweite Fazenda, die speziell für Mädchen bzw. Frauen zuständig ist. Dort finden bis zu 16 Bewohnerinnen in 2 Wohngruppen ebenfalls für 1 Jahr Zuflucht. Grundsätzlich suchen Menschen Hilfe, die in Familie, Schule oder Beruf gescheitert sind oder die an einer Suchtkrankheit leiden (Alkohol, Tabletten, Drogen, Spielsucht u.ä.).
Die bei der Übernahme der Gebäude vor 10 Jahren vorgefundene Substanz war in einem schlechten Zustand. Zunächst musste umfangreich renoviert und repariert werden, und der Ausbau des Gehöfts dauert noch immer an.
Da sich die Einrichtung möglichst weitgehend selbst finanzieren muss, haben sich die Rekuperanten (von „Rekuperation“, Befreiung von Abhängigkeit, Wiedergewinnung des Zugangs zu den in der eigenen Person angelegten Fähigkeiten) durch ihre Arbeit an den Kosten zu beteiligen. So gibt es in Markee eine Fleischerei und eine Bäckerei (durch deren Ofen man in die Kapelle schauen kann). Hof und Garten werden bewirtschaftet und es sind die Tiere zu versorgen. Die Erzeugnisse aus der Arbeit können verkauft werden und die Einnahmen tragen zur Kostendeckung bei.
Oberstes Ziel der Höfe ist die Wiedereingliederung der Bewohner in die Gesellschaft. Daher ist nicht nur das Leben sondern auch das Arbeiten in der Gemeinschaft wichtig. Da eine Reintegration kurzfristig nicht zu erreichen ist, bleiben die Bewohner jeweils 1 Jahr.
Zu Beginn dieser Zeit gilt für die Bewohner das alte Sprichwort: „Was Du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu“. Dies wird jedoch bald umgedreht und es ergibt sich: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen“. Dies ist für manche ein neuer, positiver Denkansatz.
Am Sonntag traf man sich nochmals nach der Messe zu Kaffee und Kuchen. Auch hier wurde in lockerer Runde diskutiert oder man führte einfach nur zwanglose, fröhliche Gespräche.
Mit unseren Besuchern von der ‚Fazenda da Esperança‘ haben wir ausgesprochen freundliche, zuvorkommende und hilfsbereite junge Männer kennen gelernt, die auch immer für einen Spaß zu haben waren. Ihr Miteinander, ihr selbstverständlicher Umgang mit anderen und ihre Offenheit haben uns an diesem Wochenende viel Freude bereitet.
Wir wünschen unseren Besuchern alles Liebe und Gute sowie der Einrichtung in Markee viel Erfolg bei der weiteren Arbeit. Besonderer Dank gilt auch Pfarrer Heim, der diese Begegnung begleitet hat.
Wer sich für diese (oder andere) ‚Fazendas‘ interessiert, findet vielfältige Informationen auch im Internet, z. B. auf der Seite http://www.fazenda.de.
Kontaktadresse: Fazenda da Esperança, Neuhof 2, 14641 Markee
Bankverbindung: DKM Darlehnskasse Münster, BLZ 400 602 65, Konto: 15 263 700
(F. Kuhr)





















